Die Viadukte der Stadtbahnbögen ziehen sich
kilometerweit durch die Innenstadt und bilden stadträumliche Knotenpunkte
mit typischen Schneisen und Plätzen.
Der Reiz der stadträumlichen Situation des Bahnhofs
Jannowitzbrücke liegt in dem Aufeinandertreffen der Verkehrswege Fluß,
Straße, U-Bahn und Stadtbahn in den verschiedenen Ebenen und Querungen
über Brücken und Viadukte. Die Bahnsteighalle auf den Viadukten
wirkt weithin als stadträumliches Zeichen.

Diese berlintypische Ausbildung der Stdtbahn läßt
verschiedene Nutzungen der Bahnanlagen in mehreren Ebenen zu.
Aufgrund des mangelhaften Bau- und Erhaltungszustandes
des Bahnhofes ist im Zuge der Modernisierung der Gleisanlagen eine Grundinstandsetzung
vorgesehen.
Die Sanierung und Modernisierung der Erschließung
und der S-Bahn-Bögen ermöglichen die Vermarktung der bisher gering
und unwirtschaftlich genutzen Flächen und somit die Erhöhung
der Nutzungseffektivität.
Städtebauliches Umfeld
An der Jannowitzbrücke treffen verschiedene Stadtstrukturen
aufeinander. Auf der Südseite der Spree beidseitig der Brückenstraße
schließt eine lückenhafte Blockbebauung (Ende 19.Jhd.),
die z.Zt. geschlossen wird und das frühere FDGB-Haus an, heute Hotel
mit Kongreßzentrum. Es überwiegt Wohnnutzung mit einigen Gewerben,
allerdings kaum Läden, die alltäglichen Bedarf führen.
Östlich ziehen sich Gewerbehöfe die Spree entlang,
westlich liegt das Märkische Museum. An der Holzmarktstraße
befindet sich vor den S-Bahn-Bögen eine Autowaschanlage, davor eine
unbefestigte Zufahrt zu den Lagerräumen und Werkstätten unter
den Bögen, jedoch kein öffentlicher Zugang zum früheren
Seiteneingang.
Die Erschließungsbereiche des Bahnhofs, z. Zt. einziger
Zugang durch die Eingangshalle, nördlich ein mit Plattenbelag versiegelter
Vorplatz dessen Grenzen von den Fahrbahnrändern bestimmt sind, der
Ausgang nach Süden führt auf die Brücke über die Spree,
nach Westen unter die Eisenbahnbrücke zu den Bushaltestellen.
Stadträumlich ist der Bereich nördlich
des Vorplatzes geprägt von der großen Straßenkreuzung
(Alexanderstr. / Holzmarktstr. / Schicklerstr.) und den freistehenden 18-
und 10-geschossigen Wohnhochhäusern als Zeilen- und Plattenbauweise,
die kulissenhaft entlang der Alexanderstr. stehen. Die breit angelegte
Alexanderstr. gibt den Blick frei bis zu dem am Alexanderplatz gelegenen
Haus des Lehrers und der Kongresshalle.
Im Einzugsgebiet des S-Bahnhofs Jannowitzbrücke enstehen
z. Zt. neue Büro- und Geschäftsgebäude, die vorhandene Bausubstanz
aus dem Ende des 19. Jhd. wird zum Teil saniert und modernisiert.
Als Kreuzungspunkt von S-Bahn, U-Bahn und vorh. Buslinien
bietet der S-Bahnhof Jannowitzbrücke gute Verbindungen in alle Bezirke
der Stadt. Westlich des Bahnhofes schließen eine Dampferanlegestelle
und eine Uferpromenade an, die entlang der Spree bis zur Museumsinsel führt.
Einschätzung der Vermarktungsmöglichkeit
Der S-Bahnhof Jannowitzbrücke bietet günstige
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbau der Vermarktungsflächen.
Seine verkehrstechnische Bedeutung, seine zentrale Lage in der Stadt und
seine direkten Einzugsgebiete mit Wohnbebauung und neu enstehenden Büro-
und Gewerbebauten lassen sowohl ein hohes Fahrgastaufkommen als auch Laufkundschaft
erwarten. Das bis zur Schließung des Bahnhofs florierende "Markttreiben"
im Bereich der Eingangshalle zeigte einen Bedarf an. Nicht zuletzt trägt
die reizvolle Lage des Bahnhofs an der Spree und der Uferpromenade zu seiner
Attraktivität bei.
Sowohl die stadträumlich exponierte Lage als auch
die räumliche Anordnung der Viaduktbögen im Erschließungssystems
des Bahnhofs sind bisher ungenutzte Standortvorteile.
Die Vermarktung der Räume in den Gewölben und
in der Eingangshalle mit dem Ziel der Ertragsteigerung setzt voraus, daß
Maßnahmen getroffen werden, die die Zugänglichkeit dieser
Bereiche herstellen und die Attraktivität des gesamten Bahnhofs verbessern.
Bestandsanalyse und Beschreibung der erforderlichen
Maßnahmen
Eingangshalle
Der heutige Zustand des Bahnhofs nach mehr als hundert
Jahren ununterbrochener Betriebsdauer ist bestimmt von unterschiedlichen
Erhaltungszuständen der dem Publikum zugänglichen Bereiche.
Die Eingangshalle zeigt die Spuren provisorischer Instandsetzungen
und Einbauten wie Kioske und Läden, angepaßt
an den jeweiligen Stand der Erfordernisse.
Von der Formgebung der "Neuen Sachlichkeit" der Ende der
20er Jahre enstandenen Eingangshalle ist nur noch das "Gerippe" übrig.
Die vorhandenen Ladeneinbauten, Bodenbeläge und Deckeneinbauten werden
abgebrochen. Die Ladenfronten und Türanlagen werden als Stahl- Glaskontruktionen
neu geordnet, eingebaut, der Boden erhält einen Betonwerksteinbelag,
die Lichtdecke wird wieder hergestellt.
Stadtbahnbögen
Die Stadtbahnbögen sind von verschiedenen Dienststellen
der Bahn mit unterschiedlichen Nutzungen belegt. Hier befinden sich Büroräume,
Werkstätten, Wasch- und Umkleideräume und Lagerräume. Teilweise
mußte die Nutzung der Räume aufgegeben werden, da sie durch
mangelnde Instandsetzung unbrauchbar geworden sind.
Die Räume werden bogenweise erschlossen, die Grundrißdiposition
ist nach den jeweiligen Aufteilungsanprüchen entstanden, durchgehende
Erschließungsflure sind nicht vorhanden.
Die Mauerwerksausfachungen der Stadtbahnbögen zur
Holzmarktstraße und der Spree sind je nach Erfordernis mit unterschiedlichen
Aufteilungen versehen. Zum Teil sind noch alte, vermtl. Fensterteilungen
aus den 20er Jahren, erkennbar.
Im ersten spreeseitigen Bogen an der Brückenstraße
ist ein gastronomischer Betrieb, die Jannowitz-Klause, untergebracht, die
nur von außen über einen vorgebauten, sich zu einer Terrasse
verbreiternden "Steg" erreichbar ist.
Das Mauerwerk der Viaduktbögen ist gut erhalten.
Es zeigen sich oberflächige Abplatzungen infolge von Frostschäden.
Die Gewölbe zeigen in Teilbereichen Ausblühungen.
Als erforderliche Maßnahmen sind Salzbehandlungen
des gesamten Mauerwerks, Reinigung, Ausbessern einzelner Klinkersteine
sowie Verfugung und Hydrophobierung der Außenflächen vorgesehen.
Für die Instandsetzung und Umnutzung der S-Bahnbögen
ist deren Entkernung notwendig. Die Gewölbe werden umfassend instandgesetzt.