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Projekt:           Grundinstandsetzung des S-Bhf.-Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte 

Zeit:                  1994  - 1998
Ort:                  Jannowitzbrücke
Bauherr:         Deutsche Bahn AG
 

Die Viadukte der Stadtbahnbögen ziehen sich kilometerweit durch die Innenstadt und bilden stadträumliche Knotenpunkte mit typischen Schneisen und Plätzen.

Der Reiz der stadträumlichen Situation des Bahnhofs Jannowitzbrücke liegt in dem Aufeinandertreffen der Verkehrswege Fluß, Straße, U-Bahn und Stadtbahn in den verschiedenen Ebenen und Querungen über Brücken und Viadukte. Die Bahnsteighalle auf den Viadukten wirkt weithin als stadträumliches Zeichen. 

Vor der Sanierung

Diese berlintypische Ausbildung der Stdtbahn läßt verschiedene Nutzungen der Bahnanlagen in mehreren Ebenen zu. 

Aufgrund des mangelhaften Bau- und Erhaltungszustandes des Bahnhofes ist im Zuge der Modernisierung der Gleisanlagen eine Grundinstandsetzung vorgesehen.

Die Sanierung und Modernisierung der Erschließung und der S-Bahn-Bögen ermöglichen die Vermarktung der bisher gering und unwirtschaftlich genutzen Flächen und somit die Erhöhung der Nutzungseffektivität. 

Städtebauliches Umfeld
An der Jannowitzbrücke treffen verschiedene Stadtstrukturen aufeinander. Auf der Südseite der Spree beidseitig der Brückenstraße schließt eine lückenhafte Blockbebauung  (Ende 19.Jhd.), die z.Zt. geschlossen wird und das frühere FDGB-Haus an, heute Hotel mit Kongreßzentrum. Es überwiegt Wohnnutzung mit einigen Gewerben, allerdings kaum Läden, die alltäglichen Bedarf führen.

Östlich ziehen sich Gewerbehöfe die Spree entlang, westlich liegt das Märkische Museum. An der Holzmarktstraße befindet sich vor den S-Bahn-Bögen eine Autowaschanlage, davor eine unbefestigte Zufahrt zu den Lagerräumen und Werkstätten unter den Bögen, jedoch kein öffentlicher Zugang zum früheren Seiteneingang.

Die Erschließungsbereiche des Bahnhofs, z. Zt. einziger Zugang durch die Eingangshalle, nördlich ein mit Plattenbelag versiegelter Vorplatz dessen Grenzen von den Fahrbahnrändern bestimmt sind, der Ausgang nach Süden führt auf die Brücke über die Spree, nach Westen unter die Eisenbahnbrücke zu den Bushaltestellen.

 Stadträumlich ist der Bereich nördlich des Vorplatzes geprägt von der großen Straßenkreuzung (Alexanderstr. / Holzmarktstr. / Schicklerstr.) und den freistehenden 18- und 10-geschossigen Wohnhochhäusern als Zeilen- und Plattenbauweise, die kulissenhaft entlang der Alexanderstr. stehen. Die breit angelegte Alexanderstr. gibt den Blick  frei bis zu dem am Alexanderplatz gelegenen Haus des Lehrers und der Kongresshalle.

Im Einzugsgebiet des S-Bahnhofs Jannowitzbrücke enstehen z. Zt. neue Büro- und Geschäftsgebäude, die vorhandene Bausubstanz aus dem Ende des 19. Jhd. wird zum Teil saniert und modernisiert.

Als Kreuzungspunkt von S-Bahn, U-Bahn und vorh. Buslinien bietet der S-Bahnhof Jannowitzbrücke gute Verbindungen in alle Bezirke der Stadt. Westlich des Bahnhofes schließen eine Dampferanlegestelle und eine Uferpromenade an, die entlang der Spree bis zur Museumsinsel führt.

Einschätzung der Vermarktungsmöglichkeit
Der S-Bahnhof Jannowitzbrücke bietet günstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbau der Vermarktungsflächen. Seine verkehrstechnische Bedeutung, seine zentrale Lage in der Stadt und seine direkten Einzugsgebiete mit Wohnbebauung und neu enstehenden Büro- und Gewerbebauten lassen sowohl ein hohes Fahrgastaufkommen als auch Laufkundschaft erwarten. Das bis zur Schließung des Bahnhofs florierende "Markttreiben" im Bereich der Eingangshalle zeigte einen Bedarf an. Nicht zuletzt trägt die reizvolle Lage des Bahnhofs an der Spree und der Uferpromenade zu seiner Attraktivität bei.

Sowohl die stadträumlich exponierte Lage als auch die räumliche Anordnung der Viaduktbögen im Erschließungssystems des Bahnhofs sind bisher ungenutzte Standortvorteile.

Die Vermarktung der Räume in den Gewölben und in der Eingangshalle mit dem Ziel der Ertragsteigerung setzt voraus, daß Maßnahmen  getroffen werden, die die Zugänglichkeit dieser Bereiche herstellen und die Attraktivität des gesamten Bahnhofs verbessern.

Bestandsanalyse und Beschreibung der erforderlichen Maßnahmen
Eingangshalle
Der heutige Zustand des Bahnhofs nach mehr als hundert Jahren ununterbrochener Betriebsdauer ist bestimmt von unterschiedlichen Erhaltungszuständen der dem Publikum zugänglichen Bereiche. 
Die Eingangshalle zeigt die Spuren provisorischer Instandsetzungen
und Einbauten wie Kioske und Läden, angepaßt an den jeweiligen Stand der Erfordernisse. 

Von der Formgebung der "Neuen Sachlichkeit" der Ende der 20er Jahre enstandenen Eingangshalle ist nur noch das "Gerippe" übrig. Die vorhandenen Ladeneinbauten, Bodenbeläge und Deckeneinbauten werden abgebrochen. Die Ladenfronten und Türanlagen werden als Stahl- Glaskontruktionen neu geordnet, eingebaut, der Boden erhält einen Betonwerksteinbelag, die Lichtdecke wird wieder hergestellt.

Planung

Stadtbahnbögen
Die Stadtbahnbögen sind von verschiedenen Dienststellen der Bahn mit unterschiedlichen Nutzungen belegt. Hier befinden sich Büroräume, Werkstätten, Wasch- und Umkleideräume und Lagerräume. Teilweise mußte die Nutzung der Räume aufgegeben werden, da sie durch mangelnde Instandsetzung unbrauchbar geworden sind. 

Die Räume werden bogenweise erschlossen, die Grundrißdiposition ist nach den jeweiligen Aufteilungsanprüchen entstanden, durchgehende Erschließungsflure sind nicht vorhanden.

Die Mauerwerksausfachungen der Stadtbahnbögen zur Holzmarktstraße und der Spree sind je nach Erfordernis mit unterschiedlichen Aufteilungen versehen. Zum Teil sind noch alte, vermtl. Fensterteilungen aus den 20er Jahren, erkennbar.

Im ersten spreeseitigen Bogen an der Brückenstraße ist ein gastronomischer Betrieb, die Jannowitz-Klause, untergebracht, die nur von außen über einen vorgebauten, sich zu einer Terrasse verbreiternden "Steg" erreichbar ist.

Das Mauerwerk der Viaduktbögen ist gut erhalten. Es zeigen sich oberflächige Abplatzungen infolge von Frostschäden. Die Gewölbe zeigen in Teilbereichen Ausblühungen.

Als erforderliche Maßnahmen sind Salzbehandlungen des gesamten Mauerwerks, Reinigung, Ausbessern einzelner Klinkersteine sowie Verfugung und Hydrophobierung der Außenflächen vorgesehen.

Für die Instandsetzung und Umnutzung der S-Bahnbögen ist deren Entkernung notwendig. Die Gewölbe werden umfassend instandgesetzt.

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